Jan-Rasmus Lippels
Nachhaltige Finanzierung: Orientierung für den Mittelstand
Nachhaltige Finanzierung gewinnt an Bedeutung
Ein Blick auf die Situation der nachhaltigen Finanzierung in Deutschland zeigt, wie relevant das Thema ist. Der Sustainability Transformation Monitor (STM), der jährlich die Finanzierungsbedarfe und Volumina der Real- und Finanzwirtschaft abfragt, lieferte 2026 folgende Ergebnisse:
- Ca. 70 % der befragten Unternehmen aus der Finanzwirtschaft schätzen den zukünftigen Kapitalbedarf zum Erreichen sozialer und ökologischer Ziele als mittel bis hoch ein. Das macht deutlich, dass für eine Transformation gigantische Mengen an Kapital mobilisiert werden müssen.
- Die häufigsten Investitionsfelder sind Gebäudeenergieeffizienz (65 %), Kreislaufwirtschaft (61 %) und erneuerbare Energien (59 %). Klimafreundliche Mobilität rangiert auf Platz 4 (58 %) – mit deutlichem Minus zum Vorjahr.
- Während viele Unternehmen sich der Notwendigkeit einer nachhaltigen Finanzierung bewusst sind, nutzen nur 20 % bestehende Förderkredite. Als Gründe für diese Diskrepanz nannten Unternehmen im STM 26 vor allem mangelnde Kenntnis bestehender Programme oder fehlende Auseinandersetzung mit dem Thema (44 %), weniger häufig das Fehlen eines passenden Angebots (23 %).
Was bedeutet nachhaltige Finanzierung für Unternehmen?
Nachhaltige Finanzierung, auch Sustainable Finance genannt, bedeutet, dass bei Finanzierungsentscheidungen neben wirtschaftlichen auch ökologische und soziale Aspekten berücksichtigt werden.
Nachhaltiges Finanzieren umfasst deshalb mehrere Bereiche: ein Geschäftsmodell, das auch unter veränderten Bedingungen tragfähig bleibt, ein klar strukturiertes Risikomanagement, nachvollziehbare Informationen für Banken sowie die Möglichkeit, gezielt Förderangebote oder günstigere Finanzierungskonditionen zu nutzen.
Dafür stehen verschiedene Wege offen. Neben klassischen Krediten können Unternehmen beispielsweise Förderkredite und weitere Finanzierungsmodelle nutzen. Welcher Weg geeignet ist, hängt unter anderem vom jeweiligen Investitionsvorhaben, der Unternehmenssituation und dem Finanzierungsbedarf ab.
Beispiele aus der Unternehmenspraxis
Walther Matties vom Wildwuchs Brauwerk und Dirk Grah von der GLS Bank zeigen anhand ihres gemeinsamen Weges, wie nachhaltige Investitionen finanziert werden können. Mithilfe der GLS Bank ist es den Gründern von Wildwuchs gelungen, eine Brauanlage, eine Abfüllanlage und eine Photovoltaikanlage zu finanzieren. Die große Brauanlage wurde über ein Darlehen finanziert, die Anschaffung der Flaschenabfüllanlage anschließend durch die Investitions- und Förderbank IFB gefördert.
Beram Mahmoud vom Handwerksquartier H15 gibt einen Einblick in die Finanzierung eines genossenschaftlichen Projekts, das sich gerade in der letzten Phase der Planung befindet. Für ein Baugrundstück am Pilotstandort des Bezirks Hamburg-Nord für klimafreundliches „Handwerk im Quartier“ wurde ein Erbbaurechtsvertrag mit einer Laufzeit von 99 Jahren verhandelt. Aktuell werden weitere (Handwerks-)Betriebe gesucht, die sich in dem ressourcenschonenden Quartier niederlassen wollen.
Wie fördert die NAFIM den Austausch zu nachhaltigen Finanzierungsmöglichkeiten?
Nachhaltig finanzieren im Mittelstand so einfach wie möglich machen – genau das will die Servicestelle NAFIM erreichen. Deshalb bietet sie:
- Orientierung & Wissen: verständliche Einführungen in nachhaltiges Finanzieren, Übersichten zu Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten
- Praxistipps: Tools, Checklisten und Arbeitshilfen externer Partner sowie Praxisbeispiele aus dem Mittelstand
- Netzwerk & Austausch: Veranstaltungskalender sowie Hinweise auf Beratungsangebote
- Persönlichen Kontakt: Expertise per Telefon, E-Mail und über Webinare
Die Servicestelle arbeitet unabhängig und kostenfrei. Sie richtet sich zunächst an Unternehmen in Hamburg. Viele Inhalte sind aber auch jetzt schon für Unternehmen in anderen Regionen nutzbar.
Träger der Servicestelle NAFIM sind BAUM e.V. als Umsetzungspartner und die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) für die Freie und Hansestadt Hamburg als Auftraggeberin. NAFIM wird partnerschaftlich umgesetzt mit UmweltPartnerschaft Hamburg, Handelskammer Hamburg, Handwerkskammer Hamburg, Hamburgische Investitions- und Förderbank, FCH Finance City Hamburg GmbH und Sustainable Finance Research Group an der Universität Hamburg.
