Unter „nachhaltigem“ Wirtschaften werden viele verschiedene Ansätze verstanden und Themen assoziiert. Um entsprechende Praktiken auf einen Blick sichtbar zu machen, werden unterschiedlichste Labels und Auszeichnungen genutzt. Insbesondere bei Konsumgütern dienen diese dazu, einen Imagegewinn zu erzielen und Kaufentscheidungen zu beeinflussen, was jedoch oftmals mit der berechtigten Kritik des Green Washings einhergeht.
Dennoch gibt es auch viele vertrauenswürde Zertifizierungen. Diese zeichnen Produkte und Unternehmen nicht nur in der Öffentlichkeit aus, sondern können wichtige Wegweiser und Hilfestellungen sein, um ein stabiles Umwelt- bzw. Nachhaltigkeitsmanagement im Unternehmen aufzubauen. Diese Standards zeigen auf, welche Schritte ein Unternehmen als Ganzes gehen kann, um sein wirtschaftliches Handeln umweltverträglicher auszurichten.
Im Bereich des Umwelt- bzw. Nachhaltigkeitsmanagements unterscheiden sich die Programme meist durch ihre regionale Verbreitung, den Umfang der erforderlichen Maßnahmen und Berichtspflichten sowie den Zertifizierungskosten. Unternehmen können von solchen Programmen profitieren, indem sie ihre Nachhaltigkeitsambitionen strukturiert verfolgen und so beispielsweise Kosten einsparen oder einen Imagegewinn und Sichtbarkeit durch anerkannte Institutionen erzielen können. Zudem kann ebenso von Netzwerken und dem Austausch mit anderen Unternehmen profitiert werden.
Der folgende Beitrag gibt daher einen kurzen Überblick, wie Hamburger Unternehmen einen einfachen Einstieg in den Bereich des Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagements finden. Dazu wird eine Auswahl der weitverbreitetsten Programme nach Regionalität und Umfang (aufsteigend sortiert) vorgestellt.
Einige der hier dargestellten Institutionen, und gegebenenfalls noch weitere Inspiration, finden Sie bei den Anlaufstellen in unserem WISSENSHUB.
Hamburger Programme und Zertifizierungen

Die UmweltPartnerschaft Hamburg wird seit 2003 als gemeinsames Projekt zwischen der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA), der Handels- und Handwerkskammer sowie des Industrie- und Hafenverbands umgesetzt. Ziel ist es, als Netzwerk Unternehmen bei ihren nachhaltigen Ausrichtungen zu fördern, zu informieren und zu unterstützen. Die UmweltPartnerschaft ist ein erster und leichter Schritt in Richtung nachhaltigeren Wirtschaftens.
Um Mitglied bei der UmweltPartnerschaft werden zu können, müssen Unternehmen in den vergangenen drei Jahren freiwillige Maßnahmen zur Steigerung der Umweltverträglichkeit nachweisen können. Ebenso können Unternehmen teilnehmen, deren Dienstleistungen oder Produkte von Grund auf dem Umwelt- oder Klimaschutz zugutekommen (bspw. erneuerbare Energien). Gegenwärtig sind circa 1.800 Hamburger Unternehmen Teil des kostenfreien Projekts und als UmweltPartner registriert.
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Seit 2011 können Unternehmen an dem Umweltprogramm ÖKOPROFIT Hamburg teilnehmen. In Hamburg basiert es auf einer Kooperation zwischen der BUKEA und der Handels- sowie Handwerkskammer und wird durch die Ökopol GmbH durchgeführt und begleitet.
Ziel des Programms ist es, die betriebliche Emission zu reduzieren, die natürliche Ressourcen zu schonen und Ökoeffizienz zu steigern. Dazu wird ein einfacher Einstieg in das Umweltmanagement durch Workshops, Beratungen und Informationsmaterialien ermöglicht. Um ausgezeichnet zu werden, müssen Unternehmen Maßnahmen zur Steigerung der Nachhaltigkeit nachweisen und aktiv am Programm teilnehmen.
Ausgezeichnete Ökoprofit-Betriebe können auf Antrag ebenfalls automatisch Mitglied in der UmweltPartnerschaft Hamburg werden. Es kann außerdem als ein erster Schritt in Richtung umfangreicherer Umweltmanagementsysteme wie die ISO 14001 oder EMAS dienen (s. unten). Rund 200 Hamburger Unternehmen sind durch ÖKOPROFIT ausgezeichnet und auch in anderen deutschen Städten ist das Programm etabliert.
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Programme und Zertifizierungen im deutschsprachigen Raum

Hinter dem Ansatz der Gemeinwohlökonomie (GWÖ) steht das Verständnis, dass die heutigen sozial-ökologischen Krisen eine Folge des gewinnorientierten kapitalistischen Systems sind. Als innovatives und nachhaltiges Wirtschaftsmodell sollen Unternehmen in der GWÖ ihr Handeln gemeinwohldienlich und basierend auf Werten ausgestalten und nicht lediglich nach dem Profit ausrichten. Zentrales Tool hierfür ist die Gemeinwohl-Bilanz, welche auf Basis der Gemeinwohl-Matrix herausstellt, welchen Beitrag ein Unternehmen zum Gemeinwohl beiträgt. Damit werden gängige Nachhaltigkeitsberichtsstandards abgedeckt und umfassend erweitert.
Um das Gemeinwohl-Zertifikat tragen zu können, müssen Unternehmen eine Gemeinwohl-Bilanz erstellen, Mitglied im GWÖ-Verein werden und die Bilanz durch ein externes Audit prüfen lassen. Die Zertifizierung gilt dann für zwei Jahre. Da es sich um eine Initiative mit einem umfassenden Ansatz handelt, werden neben Unternehmen ebenfalls Bildungseinrichtungen, Privatpersonen und weitere gesellschaftliche Institutionen adressiert.
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Durch den ZNU-Standard (Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung) soll sichergestellt werden, dass sich Unternehmen ernsthaft mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen und ihre relevanten Handlungsfelder systematisch weiterentwickeln. Ziel ist es, dass ein jeweiliges Unternehmen sein Handeln von Jahr zu Jahr nachhaltiger ausrichtet. Hierzu muss ein ganzheitlicher Prozess des Nachhaltigkeitsmanagements etabliert und verschiedene Anforderungen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Wirtschaft erreicht werden. Für die Zertifizierung werden jährliche Begutachtungen von unabhängigen, akkreditierten Zertifizierungsstellen durchgeführt.
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Internationale Programme und Zertifizierungen

B-Corp steht für “Benefit Corporation” und wird Unternehmen verliehen, die den umfassenden Nutzen ihres Wirtschaftens für Mensch, Gesellschaft und Umwelt nachweisen können. Dabei wird die gesamte soziale sowie die ökologische Leistung eines Unternehmens geprüft und folgende drei Anforderungen müssen erfüllt sein: Im sogenannten B-Impact Assessment müssen mindestens 80 von 200 Punkten erreicht und eine Risikoprüfung bestanden werden.
Unternehmen müssen sich rechtlich verpflichten, das Wohl aller Stakeholder in ihrem Handeln zu berücksichtigen (Stakeholder-Governance).
Das Unternehmen muss relevante Daten und Informationen transparent über B Lab verfügbar machen.
Das Zertifikat wird von der B Lab gGmbH ausgestellt und alle drei Jahre rezertifiziert. B-Corp versteht sich darüber hinaus als ein Netzwerk zwischen den weltweit über 6000 ausgezeichneten Unternehmen.
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Bei der ISO 50001 handelt es ich um eine international anerkannte Norm zur Umsetzung eines Energiemanagementsystems (EnMS). Sie enthält Anforderungen für die Verwaltung und Verbesserung des Energieverbrauchs sowie der Energieeffizienz im Unternehmen. Im Zentrum steht hier vor allem das Monitoring und die Steuerung der internen Energieflüsse.
Ergänzend hierzu beschreibt die ISO 50005 ein stufenweises Verfahren zur Einführung eines solchen Energiemanagementsystems. Ziel ist es insbesondere KMUs einen leichten Einstieg in das Energiemanagement zu ermöglichen. Die ISO 50001 kann durch unabhängige Stellen zertifiziert werden, während die ISO 50005 lediglich als Leitlinie dient. Beide Normen können als Teil von umfassenderen Zertifizierungen genutzt werden (bspw. EMAS, s. unten).
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Die ISO 14001 beschreibt ähnlich zu den vorherigen ISO-Normen die Anforderungen an Umweltmanagementsysteme. Diese sind in ihrem Umfang nicht nur auf Energieverbräuche beschränkt, sondern beziehen sich auf die gesamte Umweltleistung eines Unternehmens. Hierfür müssen Umweltziele und Maßnahmen festgelegt und durchgeführt, Zuständigkeiten und Prozesse im Unternehmen etabliert als auch eine Verbesserung der Umweltleistung über die Zeit erreicht werden.
Auch hier ergänzt die ISO 14005 die Umsetzung eines Umweltmanagementsystems und zielt insbesondere auf kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) ab, bei der Einführung zu unterstützen. Die ISO 14001 kann durch unabhängige Stellen zertifiziert werden, während die ISO 14005 lediglich als Leitlinie dient. Beide Normen können als Teil von umfassenderen Zertifizierungen genutzt werden (bspw. EMAS, s. unten). Weltweit sind über eine halbe Millionen Unternehmen nach der ISO 14001 zertifiziert.
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Als einer der bekanntesten und anspruchsvollsten Standards für das Umweltmanagement hat sich das Eco-Management and Audit Scheme (EMAS) der EU seit 1993 etabliert. Es beinhaltet die systematische Erfassung aller Umweltaspekte der unternehmerischen Tätigkeiten und bezieht die betrieblichen Strukturen und Prozesse mit ein. Es muss eine sogenannte Umweltpolitik mit Leitlinien erstellt und Maßnahmen getroffen werden, die zu einer jährlichen Verbesserung der Umweltleistung führt. Die ISO 14001 Norm gilt als ein Teil von EMAS, sodass schrittweise auf eine Zertifizierung hingearbeitet werden kann.
Unternehmen, die sich nach EMAS zertifizieren lassen wollen, müssen dies jährlich durch externe Sachverständige prüfen lassen. Neben den grundlegenden Vorteilen können sich Unternehmen mit EMAS außerdem von gewissen Pflichten im Bereich des Umweltrechts befreien.
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Weitere relevante Themen im Bereich des Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagements
Es zeigt sich also, dass es eine Vielzahl an Möglichkeiten gibt, das eigene Unternehmenshandeln nach bewährten Leitlinien umweltverträglicher auszurichten: doch für welchen Weg sollte sich ein Unternehmen entscheiden? Insbesondere Programme wie die UmweltPartnerschaft oder ÖKOPROFIT bieten einen leichten Einstieg in die Welt des Nachhaltigkeits- und Umweltmanagements. Zugleich bieten sie die Grundlagen, um weiterführende Ansätze, wie die Gemeinwohlökonomie oder EMAS, zu erreichen. Wenn ein Unternehmen bereits viele Aktivitäten aufweist und auch die benötigten internen Ressourcen (Personal, Zeit, Investitionen) zur Verfügung hat, kann natürlich auch mit umfassenden Zertifizierungen gestartet werden. Fest steht: egal womit gestartet wird „der Anfang ist die Hälfte des Ganzen.“
Neben den hier aufgeführten Standards gibt es außerdem weitere Auszeichnungen im Umwelt- und Nachhaltigkeitsbereich. Relevant sind unter anderem Produktzertifizierungen (bspw. Cradle-2-Cradle), Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung (bspw. Deutscher Nachhaltigkeitskodex), Verbände und Initiativen (bspw. Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V.) oder auch Preisverleihungen (bspw. Deutscher Nachhaltigkeitspreis).
Weitere Informationen und hilfreiche Übersichten zu dem Thema:
