Schnelle Hilfe für mehr Nachhaltigkeit

Von: Michelle Pytlik
- Life Science Nord

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Maßnahmen für bessere Energie- und Ressourceneffizienz

Nachhaltigkeit muss nicht kompliziert sein. Viele Maßnahmen lassen sich schnell umsetzen – und zeigen sofort Wirkung: Sie senken Kosten, schaffen Wettbewerbsvorteile, verbessern das Arbeitsumfeld und reduzieren den ökologischen Fußabdruck.

Die KLIMAready-Umfrage zeigt: Energie- und Ressourceneffizienz sind für viele Unternehmen zentrale Themen. Zu den größten Herausforderungen gehören Regulatorische Unsicherheit und Kosten. Wir zeigen Ihnen, welche Maßnahmen sich relativ schnell und mit überschaubarem Aufwand umsetzen lassen und wo Ihnen Hilfestellungen zur Verfügung stehen. Ob man sie „Quick Wins“, „Low Hanging Fruits“ oder Effizienzhebel nennt, die vorgestellten Maßnahmen decken ein breites Spektrum ab, sodass für jedes Unternehmen passende Optionen dabei sind.

Hot & Cold – die großen Energieverbraucher Heizen und Kühlen angehen

Der Energieverbrauch beim Kühlen und Heizen ist enorm. Gleichzeitig liegen hier meist große Einsparpotenziale – egal ob bei Bürogebäuden, Produktionsanlagen oder Lagern. Dabei ist eine optimierte Dämmung bzw. Isolation wohl der größte Hebel. Gehen Sie Ihre Betriebsflächen einmal gedanklich durch: Wo könnte Wärme oder Kälte entweichen? Klassische Beispiele sind etwa Rohrleitungen, die mit Isolierschalen oder Ummantelungen nachgerüstet werden können. Weitere Stellschrauben können Maschinenflächen sein, wo Isolierverkleidungen nicht nur vor Verlusten schützen, sondern zusätzlich noch die Arbeitssicherheit erhöhen. Natürlich lohnt sich auch ein Blick auf Ihr Gebäude: Wie sind die Türen, Fenster, Wände, Decken und Böden gebaut? Eventuell kann hier ebenfalls mit einer hochwertigen Dämmung oder Mehrfachverglasung nachgerüstet werden oder aber schnelle Hilfe durch die Erneuerung der Abdichtung, Dämmvorhänge oder Teppiche erfolgen, die sofort für spürbare Effekte sorgen.

Neben dem Ziel, dass Wärme und Kälte an dem für sie bestimmten Ort bleibt, ist es ein wichtiger Faktor, dass sie zur richtigen Zeit da ist. Damit das zuverlässig gelingt, können programmierbare Heizungsthermostate und Kühlvorrichtungen ein gutes Mittel sein. Mit Ihnen kann punktgenau auf die jeweiligen Bedürfnisse eingegangen werden, zum Beispiel auf Ruhezeiten am Wochenende, Schichtbetrieb oder den Unterschied zu Büro- und Lagerflächen. Auch können Temperaturfühler das Heizen oder Kühlen überhaupt erst auslösen, sobald eine bestimmte Temperatur erfasst wird, oder man stattet Fenster und Türen mit entsprechenden Sensoren aus, sodass z. B. beim Stoßlüften der Heizvorgang unterbrochen wird. Hierbei lohnt es sich direkt einmal die Zieltemperatur zu hinterfragen. Schon ein Grad weniger kann die Heizenergie um einige Prozentpunkte senken. Aber: Wohlfühltemperaturen sind unterschiedlich, deswegen binden Sie das Team unbedingt mit ein.

Diese Vorhaben mögen einzeln betrachtet vielleicht klein wirken, können in Summe aber große Energieverluste reduzieren. Weitere Tipps sind:

  • Flächen mit unterschiedlicher Zieltemperatur trennen, etwa Büro- und Lagerflächen. Diese Trennung kann im Optimalfall räumlich sein aber auch gut schließende Türen, automatische Türöffner oder Luftschleier können helfen.
  • Sorgen Sie dafür, dass Heizkörper freistehen und keine Gegenstände davor platziert sind.
  • Glasflächen sind insbesondere bei moderner Bauweise im Trend, dabei können sie die Innentemperatur im Sommer deutlich erhöhen. Mit geeignetem Sonnenschutz, wie etwa Sonnenschutzfolien und außenliegenden Jalousien, kann hier Abhilfe geschaffen werden.
  • Auch andere, nicht gläserne Fassadenanteile können die Innentemperatur beeinflussen. Dabei sind helle Dach- und Fassadenfarben besser geeignet. Besonders gut zur Dämmung eignen sich begrünte Dach- und Fassadenanteile – ganz abgesehen vom Nutzen für Tiere, Pflanzen, Luftqualität und CO2-Reduktion.
  • Ein zentraler Hebel liegt auch in den Wärme- und Kühlvorrichtungen selbst. Sorgen Sie dafür, dass diese regelmäßig gereinigt und gewartet werden, nur so können sie optimal ihren Zweck erfüllen und Leistungsverluste vermieden werden. Eine Optimierungsmaßnahme ist der hydraulische Abgleich: Er erfolgt nach dem Heizungscheck, um sicherzustellen, dass jeder Raum mit der richtigen Wärmemenge versorgt wird, was zu Energieeinsparungen und Komfort führt. Eine Fachkraft prüft verschiedene Aspekte der Heizungsanlage, etwa den Wärmeverlust an der Kesseloberfläche, die Wasserqualität im Heizsystem, die Funktion der Heizkörperventile und Raumregler.

Weitere Informationen und passende Förderaufrufe finden Sie hier:

Licht ins Dunkle bringen – wortwörtlich und übertragen

Eine Faustregel besagt, dass etwa 10 Prozent des gesamten Stromverbrauchs auf Beleuchtung zurückzuführen ist. Das richtige Leuchtmittel bietet da erhebliches Einsparpotenzial: Eine LED-Lampe verbraucht rund 85 % weniger Strom als eine konventionelle Glühbirne. Häufig sind LED-Lampen bereits verbaut. Doch insbesondere ältere Installationen „die einfach schon immer da waren“, sind noch nicht umgerüstet. Hier lohnt es sich, einmal strukturiert durch den Betrieb zu gehen und dieses Potenzial auszuschöpfen (s. auch: Unternehmen für Ressourcenschutz (UfR)).

Ist das richtige Leuchtmittel gefunden, spielt die Nutzungsdauer natürlich eine große Rolle. Zum einen hinsichtlich der Haltbarkeit, zum anderen hinsichtlich des tatsächlichen Stromverbrauchs. Manchmal hilft schon ein Aufkleber mit dem Satz „Mach mich aus“ auf jedem Lichtschalter – sehr leicht umzusetzen und kostet fast nichts. Es lohnt sich auch, an nicht dauerhaft besetzen Orten Bewegungsmelder zu installieren und so immer nur dann „Licht ins Dunkle“ zu bringen, wenn es wirklich nötig ist.

Was wirklich immer nötig ist: Wissen! Nur, wer wirklich versteht, wo Energie und andere Ressourcen eingesetzt werden und wie hoch die Verbräuche sind, kann strukturiert eingreifen und Erfolge sichtbar machen. Erfassen Sie daher Ihre Daten, denn die allermeisten liegen Ihnen sowieso vor (z. B. Stromverbrauch) oder lassen sich mit Hilfe von Tools erfassen (z. B. CO2-Ausstoß).

Ein relativ neues Hilfsmittel ist der sogenannte Smart Meter. Der digitale Stromzähler tauscht automatisiert Daten zwischen dem Verbraucher, dem Netzbetreiber und/oder dem Energieversorger aus. Smart Meter visualisieren den Stromverbrauch sekundengenau, sodass Stromfresser, Spitzen und Flauten genau erkannt werden. Dadurch ist es im Umkehrschluss auch möglich, die Verbrauchsprozesse mit Einspeisungsphasen etwa aus Solarenergie abzustimmen und somit mehr Erneuerbare Energie zu nutzen (s. auch: Bundesförderung für Energieberatung für Nichtwohngebäude, Anlagen und Systeme).

Aber alle Daten nützen nichts, ohne die Personen, die sie auswerten, verstehen und Rückschlüsse ziehen. Daher ist eine sinnvolle Maßnahme, Mitarbeitende mit klaren Verantwortlichkeiten zu definieren und Kapazitäten einzuräumen. Das kann weiterhin durch entsprechende Fortbildungen unterstützt werden, etwa zum Nachhaltigkeitsmanager oder Energiescout. Allgemein sind die Kommunikation und der Austausch mit Mitarbeitenden effektive Stellschrauben, denn alle Strategien der Welt verlaufen im Sand ohne die Leute, die sie tatsächlich leben. Mögliche Ideen könnten beispielweise die Darstellung der Daten und Erfolgsstories im Intranet sein, kleine Wettbewerbe, gemeines Ideen-Brainstorming oder auch thematisch passende Teamveranstaltungen.

Gemeinsam jeden Tag besser werden

Ist das Team im Boot, gibt es fast in allen Bereichen des Arbeitsalltags Potenziale, die Energie- und Ressourceneffizienz zu erhöhen. Gehen wir gedanklich durch den Arbeitstag, beginnt dieser mit dem Arbeitsweg. Betriebliche Mobilität ist eine vielschichtige Dimension im Kontext von unternehmerischer Nachhaltigkeit und doch gibt es einige niedrigschwellige Möglichkeiten:

  • Motivieren Sie Mitarbeitende mit dem Rad zur Arbeit zu kommen und bieten Sie eine entsprechende Infrastruktur, etwa sichere, trocknende Fahrradständer, E-Bike Ladeschränke oder ein Bike-Leasing-Programm.
  • Fördern Sie die Nutzung des ÖPNV, etwa durch Zuschüsse.
  • Bieten Sie Poolfahrzeuge und/oder Carsharing an und gehen Sie so auf die Situationen ein, wo ein (elektrisches) Auto gebraucht wird.
  • Kontrollieren Sie regelmäßig den Reifendruck bei ihren Fahrzeugen und nehmen Sie notwendige Wartungen vor, um unnötig hohe Spritverbräuche zu vermeiden.

Angekommen an der Arbeitsstelle, werden viele Arbeitnehmende zuallererst ihren Computer starten – auch hier schon der erste Tipp: Fahren Sie Geräte, wenn möglich, vollständig runter und lassen Sie sie nicht im Standby Modus. Darüber hinaus können Sie bei vielen Geräten standardmäßig einen Energiesparmodus einstellen oder durch Steckdosenleisten mit Schalter sicher gehen, dass kein Gerät unnötig läuft.

Für die Nutzung des Computers und den darauf enthaltenen Daten braucht es natürlich Speicherplatz. Häufig kann sich die Nutzung einer externen Cloud im Gegensatz zu einem eigenen Serverbetrieb lohnen. Natürlich wird nach wie vor Energie verbraucht, aber externe Rechenzentren sind meist optimiert gebaut und gekühlt und verbrauchen so in Summe weniger. Darüber hinaus gibt es speziell „grüne“ Hostinganbieter. Natürlich muss so ein Schritt gut durchdacht sein und mit den Anforderungen, etwa an Cybersicherheit, einhergehen.

Wenn wir nun an einer Datei auf dem Computer arbeiten, dann bleibt sie bestenfalls auch digital. Medienbrüche – also vom PC auf Papier und dann gescannt wieder digitalisiert – sollten vermieden werden. Es lohnt sich gleich auf mehreren Ebenen, hier organisatorische Prozesse unter die Lupe zu nehmen und auf vollständig digitale Möglichkeiten umzustellen, denn das spart nicht nur Zeit und Nerven, sondern auch Ressourcen und damit bares Geld. Komplett papierfrei zu arbeiten ist jedoch nicht immer möglich. Auch hier kann man aber Kleinigkeiten anpassen und z. B. doppelseitigen Druck als Standardeinstellung wählen – das könnte den Papierverbrauch immerhin fast halbieren.

Wenn dann die Pause ansteht, wird sicherlich etwas gegessen und getrunken. Natürlich gibt es da von einer betriebseigenen Kantine bis zur Mikrowelle große Unterschiede und doch gilt die Marschroute „Mehrweg statt Einweg“. Das können Plastikflaschen sein, die durch Leitungswasser in wieder verwendbare Karaffen getauscht oder kleine Salz- und Zuckertütchen, die durch Spender ersetzt werden.

Zu guter Letzt wird alles, was irgendwie im Laufe des Arbeitstags genutzt wird, zuallererst beschafft. Überlegt man sich einmal, was im Verlauf eines Jahres alles eingekauft wird, liegt hier sehr großes Potenzial. Wer schon im Einkauf auf Nachhaltigkeit achtet, wird auch in der Benutzung und ggf. bei der Entsorgung Vorteile haben. Dazu gehören energieeffiziente Geräte aber auch andere alltägliche Gebrauchsgegenstände. Bevorzugen Sie Nachfüllprodukte bei Reinigungsmitteln, Seifen, Büroartikeln und Co. Nutzen Sie recycelte Produkte, z.B. beim Papier.

Dieser Blog ist nicht erschöpfend und es gibt selbstverständlich noch zahlreiche andere Anknüpfungspunkte für „schnelle Hilfen“. Aber schon die hier genannten Maßnahmen zeigen, wie viel Potenzial im Alltag steckt. Ein allerletzter Tipp: Tauschen Sie sich aus! Was haben andere gemacht? Wie schwer war die Umsetzung? Und welche Vorteile haben sich ergeben? Nachmachen definitiv erlaubt!