Hermes Germany liefert seit Ende 2023 alle Sendungen in Hamburg ohne lokale Emissionen aus. Dafür hat der Logistiker seine gesamte Letzte-Meile-Struktur angepasst und einen mit Ökostrom betriebenen E-Mobility-Hub mit 96 Ladepunkten im Stadtteil Rothenburgsort errichtet.
Darüber hinaus sammelt der Paketdienstleister testweise Erfahrungen mit elektrisch betriebenen Ansatzfahrzeugen. Diese ermöglichen es, auch Teile des Sendungsumschlags vor der Letzten Meile emissionsfrei zu gestalten: Am Logistik-Center Hamburg ist seit Ende 2024 ein elektrischer Wechselbrückenumsetzer im Einsatz. Dieser setzt aus dem Fernverkehr eintreffende Sendungen lokal CO₂-frei auf dem Hof um und transportiert sie zum E-Mobility-Hub.
Das Projekt „Green Delivery Hamburg“ wurde von der Bundesvereinigung Logistik (BVL) mit dem Silberrang beim Deutschen Logistik-Preis ausgezeichnet.
Erfahrungen & Handlungsempfehlungen
Hermes Germany hat ein ehrgeiziges Ziel: Bis Ende 2025 will der Paketdienstleister in 80 deutschen Innenstädten lokal emissionsfrei zustellen. Doch wie schafft man das? Es genügt nicht, Diesel-Fahrzeuge einfach durch Elektro-Modelle zu ersetzen. Es müssen viele weitere Aspekte berücksichtigt werden, wie zum Beispiel die Ladeinfrastruktur: Wo und wie können E-Fahrzeuge aufgeladen werden? Ist die Leistungsfähigkeit der Stromnetze ausreichend? Wie können Fördermittel genutzt werden, um die Kosten zu senken? Hermes Germany hat sich diesen Fragen gestellt und in Hamburg eine eigene Infrastruktur mit Ladestationen aufgebaut. Zusätzlich müssen die lokalen Servicepartner, die die Fahrzeuge betreiben, überzeugt und in der Umstellung unterstützt werden. Sie mussten sich z. B. an die veränderten Reichweiten und Ladezeiten anpassen und lernen, wie man mit E-Fahrzeugen umgeht.
Ein solches Projekt ist nicht von heute auf morgen umsetzbar. Es erfordert viel Planung, Geduld und Pioniergeist. Vor allem die langen Lieferzeiten der E-Fahrzeuge und die Ladeinfrastruktur müssen mitgedacht werden. Fahrzeugkategorien wie elektrische Wechselbrückenumsetzer, die den lokal emissionsfreien Umschlag von Sendungen auch vor der Letzten Meile ermöglichen, sind technologisch noch nicht so ausgereift wie etwa E-Transporter. Im logistischen Alltag ist daher damit zu rechnen, dass sie hin und wieder ausfallen. Trotz des möglichen zusätzlichen Dispositionsaufwands, der hierdurch kurzfristig entstehen kann, ist es Hermes Germany wichtig, auch in diesem Bereich Erfahrungen zu sammeln und einen Beitrag zur Weiterentwicklung klimafreundlicher Technologien zu leisten.
„Wir haben bei Green Delivery Hamburg viel gelernt und ich bin froh, dass wir uns trotz mancher Unwägbarkeiten nie haben entmutigen lassen [...]", resümiert Marco Schlüter, Chief Operations Officer bei Hermes Germany. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: In Hamburg werden nun alle Sendungen ohne den lokalen Ausstoß von Emissionen zugestellt.