Neben der kontinuierlichen Elektrifizierung der Fahrzeugflotte auf der Letzten Meile setzt Hermes Germany sich auch mit verschiedenen alternativen Antriebsoptionen auf der Langen Strecke auseinander. Zusätzlich zu mehreren E-Lkw nutzt der Paketlogistiker in einem auf 48 Monate ausgerichteten Testbetrieb seit Februar 2024 einen Wasserstoff-Lkw von Hyundai, bezogen über die Firma hylane. Ziel ist es, die Eignung des
Fahrzeugs für den logistischen Alltag zu überprüfen und herauszufinden, welche Rolle der Brennstoffzellenantrieb im Schwerlastbereich spielen kann, um CO₂-Emissionen zu senken.
Innerhalb des ersten Jahres der Inbetriebnahme hat der Wasserstoff-Lkw insgesamt knapp 80.000 Kilometer zurückgelegt. Als Haupteinsatzgebiet hat sich dabei der Feeder-Transport zwischen dem Hermes Germany Logistik-Center im hessischen Friedewald und einem Depot in Kassel herauskristallisiert.
Erfahrungen & Handlungsempfehlungen
Der Wasserstoff-Lkw war ursprünglich für längere Fahrten von bis zu 800 Kilometern und im Mehrschichtbetrieb eingeplant. In der täglichen Nutzung hat sich nach der Anfangsphase jedoch die kürzere Hauptstrecke zwischen Friedewald und Kassel etabliert. Mit Stand Februar 2025 legt der Wasserstoff-Lkw am Tag im Schnitt 200 Kilometer zurück und transportiert etwa 2.000 Sendungen.
Hintergrund der Streckenanpassung ist die eingeschränkte Verfügbarkeit von Wasserstofftankstellen auf längeren Routen und rund um das Logistik-Center in Friedewald. Wie sehr die Tankstellendichte die Disposition beeinflusst, zeigte sich erst im eigentlichen Betrieb. Um die zusätzlichen logistischen Herausforderungen und Effizienzeinbußen so gering wie möglich zu halten, wurde sich schließlich auf die kürzere Route fokussiert.
Weitere Herausforderungen mit Blick auf einen flächendeckenden Einsatz von Wasserstoff im Schwerlastverkehr sind die Reichweite der Fahrzeuge, die Zuverlässigkeit der Systeme, aber auch die Schulung von Personal, um die Antriebsart voll ausschöpfen zu können. Hermes Germany leitet sein Feedback im Rahmen des Tests regelmäßig an den Hersteller sowie an hylane weiter. Dieser kontinuierliche Austausch ist entscheidend, um die Einsatzfähigkeit des Lkw zu verbessern und die Technologie langfristig effizient und alltagstauglich zu gestalten.
In einem überwiegend positiven Zwischenfazit nach einem Jahr Testphase mit dem Wasserstoff-Lkw nennt Dennis Caldwell, Future Energy & Transport Manager bei Hermes Germany, als Pluspunkte des Fahrzeugs die kurze Betankungszeit von durchschnittlich 15 Minuten sowie die hohe Reichweite von rund 400 Kilometern. Ausfälle gab es überraschend wenige. In Sachen Reichweite schließen allerdings einige E-Lkw-Modelle mittlerweile zum Brennstoffzellen-Lkw auf. Zudem zeichnen sich batterieelektrisch betriebene Fahrzeuge durch eine hohe Energieeffizienz aus, da die Energie direkt für den Antrieb genutzt wird – im Gegensatz zu den Umwandlungsverlusten beim H2-Lkw.